Sektor 9 Kugellager

Kugellager fürs Longboard

Kugellager: Neben den Rollen sind sie die einzigen echten Verschleißteile am Longboard. Hier erfährst du, was gute Kugellager ausmacht. Welche Kugellager empfehlenswert sind, was sie kosten und wie du sie pflegst. Let it roll …

Longboard Kugellager: die Basics

Longboard Kugellager (engl. Bearings) gibt es für  8 mm Achsstifte entsprechend Typ 608 und für 10 mm Achsstifte als Typ 6900. Der Außendurchmesser beider Kugellager ist gleich, sie können daher für alle Rollen verwendet werden. 10 mm Kugellager sind schmaler und haben kleinere Kugeln. Kugellager gibt es in den Ausführungen

  • Stahl
  • Keramik-Stahl Hybrid
  • Vollkeramik

Walzen- bzw Rillenlager vom Typ 608 und Typ 6900 haben immer die Abmessungen
22 mm Durchmesser
8 mm  (608), 10 mm (6900) Innendurchmesser
7 mm Breite

Kugellager offen
Standard: Stahlkugellager mit 7 Kugeln

Üblicherweise enthalten Kugellager sieben Kugeln. Modelle wie das Super Swiss 6 von Bones sind mit 6 Kugeln ausgestattet. Ein Kugellager mit weniger Kugeln sorgt für mehr Laufruhe und Geschwindigkeit. Bei 6 Kugeln findet weniger Reibung statt, weshalb du also weniger Abnutzung und Wärme hast – ergo: theoretisch höhere Endgeschwindigkeiten erzielen kannst.

Einseitig, beidseitig geschlossene Lager

Kugellager gibt es in verschiedenen Ausführungen. Dies ist den Kennungen auf den Lagern (oder der Produktbeschreibung) zu entnehmen.

Z …………… einseitig geschlossenes Lager mit Dichtscheibe (engl. Shield)
ZZ …………. beidseitig geschlossenes Lager mit Dichtscheibe
RS ………… einseitig geschlossen mit Gummidichtscheibe
2RS ………. beidseitig geschlossen mit Gummidichtscheibe

Kugellager ZZ
608er Kugellager ZZ (beidseitig geschlossen) mit Stahlshield und Sprengring

Die seitliche Abdeckung der Bearings nennt sich Shield und ist meist aus Nylon / Kunststoff oder Metall / Blech. Kunststoff Shields sind dichter, reiben dafür mehr und verschleissen eher. Metall-Shields halten länger und schleifen nicht. Sie haben manchmal einen zusätzlichen Dichtgummi oder wie im Bild einen Sprengring, der das Shield im Lager hält.

Beidseitig geschlossene Lager sind weitgehend staubdicht und wartungsfrei. Lassen sich aber ggü einseitig geschlossenen Lagern nicht so leicht reinigen und nachschmieren (mit Öl oder Schmiermittel). Completes (also fertige Boards von der Stange) haben oft beidseitig geschlossene Lager verbaut, die du nach einer gewissen Zeit einfach austauschst. Welche Lager du verbaust, ist im Grunde egal und hängt davon ab, wie häufig du fährst und dein Brett pflegen magst.

Schluss mit dem ABEC & Swiss Mythos

Die ABEC-Skala (=“Annular Bearings Engineering Committee“) ist ein Maß für die Oberflächengüte der Kugeln im Lager und der Laufflächen – und damit des Fertigungsprozesses. Die ABEC-Skala ist eingeteilt in  1, 3, 5, 7, 9, 11. Eine höhere Zahl steht für glattere Lager und Laufflächen.

Sie steht aber nicht dafür, dass ein Kugellager mit ABEC 9 „qualitativ besser“ ist, als eines mit ABEC 7. Es ist ein (leider weit verbreiteter) Irrglaube, dass Kugellager umso besser sind, je höher das ABEC-Rating ist. Das stimmt so nicht! Die ABEC-Zahl sagt lediglich etwas darüber aus, wie glatt eine Oberfläche ist, nicht wie haltbar.

Ich kann zB ein weiches Material nehmen wie Kupfer oder Messing und es ohne großen Aufwand sehr glatt bekommen. Damit erziele ich ein hohes ABEC-Rating. Und genau aus dem Grund solltest du skeptisch werden, wenn ein Kugellager sehr preiswert ist aber dennoch ein hohes ABEC-Rating hat: Hier wurde sehr wahrscheinlich ein preiswertes, weiches Material ohne aufwändige Verarbeitungsverfahren verwendet.  Für die Haltbarkeit ist aber das verwendete Material wie auch seine Härte wichtig.

Wo ich grad bei Ratings & Prädikaten bin: Wie beim ABEC-Rating sagt auch das Prädikat Swiss lediglich etwas über die Fertigungsqualität aus, nicht über die Qualität der Lager an sich. Es gibt keine konkreten Richtlinien, nach denen ein „Swiss“-Produkt gefertigt sein muss. Es ist auch nicht transparent, wer so ein Prädikat vergibt und wofür genau?

Vom etablierten Anbieter Bones gibt es noch das Skate tested Prädikat. Das scheint mir im Vergleich zu ABEC und Swiss sinnvoller, da es nichts über den Herstellungsprozess aussagen möchte, sondern zum tatsächlichen Gebrauch. Bones Kugellager, die „Skate tested“ sind haben zB überhaupt kein ABEC-Rating. Sie wurden in der Praxis gefahren und für gut befunden. Klingt plausibel und ist doch ausreichend, oder?

Das Lagerspiel ist entscheidend

Ein wesentliches Qualitätsmerkmal eines Kugellagers beim Longboard ist das Lagerspiel! Wenn du den Innenring zwischen Daumen und Zeigefinger nimmst und diesen gegen den Außenring verkippen kannst, merkst du, ob das Lager „Spiel hat“. Je geringer das Lagerspiel ist, desto hochwertiger ist das Kugellager.  Zuviel Lagerspiel merkst du beim Freeriden und Downhill am schwammigen Brettgefühl bis hin zum Versatz des Brettes, als ob du in einer Spurrille fährst.

Die Herstellung von Vollkeramik bzw. Hybrid-Lagern (Keramik-Kugeln und Edelstahl-Ringe) ist deutlich teurer als von Stahllagern. Hier solltest du das Lagerspiel sorgfältig prüfen, denn günstige Keramiklager haben oft Lagerspiel. Daher mein persönlicher Tipp: Nimm lieber ein gutes Stahllager mit geringem Lagerspiel als ein schlechtes Keramiklager!

Spacer & Speedringe: klein, aber wichtig!

Zu den unverzichtbaren Teilen deines Longboards zählen auch die unscheinbaren Spacer und Speedringe. Sie reduzieren nochmals das Spiel deines Lagers in der Rolle und sorgen für eine bessere Haltbarkeit.

Spacer sind kleine Metallhülsen, die zwischen den beiden Lagern einer Rolle auf der Achse stecken. Sie schützen deine Kugellager bei Querbelastung (Carving oder Slides) davor, dass der Innenring des Lagers herausgedrückt werden kann. Spacer gibt es in 8, 10 und 12 mm Breite, wobei sich 10 mm Spacer als Standard durchgesetzt haben. Überprüfe nach dem Kauf eines Completes, ob sich der Hersteller womöglich die Spacer gespart hat. Das geht zu Lasten der Haltbarkeit deiner Kugellager, ich würde die Spacer dann nachrüsten.

Speedringe werden zwischen Achsmutter und äußerem Kugellager verbaut, sowie zwischen der Achse und dem inneren Kugellager – und verbessern den Freilauf bzw sorgen dafür, dass die Kugellager nicht schleifen.  Für jedes Rad brauchst du also immer zwei Speedringe innen am Hanger und außen hinter der Achsmutter.

Es gibt Anbieter von Kugellagern mit eingebautem Spacer. Solche Lager erkennst du daran, dass eine halbe Spacer-Breite hervorguckt. Diese Lager lassen sich für ganz Faule leichter einbauen, haben einen guten Freilauf und du kannst die Achsmuttern recht fest anziehen. Beim fahren habe ich aber noch keinen Unterschied zu herkömmlichen Lagern und den Einzelteilen Spacer, Speedringe gespürt.

Was kosten gute Longboard Kugellager?

Die Auswahl an Kugellagern verschiedenster Anbieter ist riesig. Ebenso gibt es preismäßig sehr große Unterschiede von 15 € für günstige Stahllager bis 150 € für hochwertige Keramiklager. Als Grundregel kannst du davon ausgehen, dass du mit einem guten Stahllager mit geringem Lagerspiel in der günstigen bis mittleren Preisklasse für fast alles gut gerüstet bist. Nur wenn du ein Maximum an Speed und Rolldauer brauchst, etwa beim Downhill oder Slalom, lohnen die Mehrkosten für teure Kugellager. Hochwertige Keramikkugellager nutzt du vielleicht als Profi. Für den Alltagsgebrauch sind sie schlichtweg übertrieben.

Im folgenden meine Kugellager Empfehlungen für unterschiedliche Ansprüche und in unterschiedlichen Preisklassen. Diese Liste entstand aus persönlichen Erfahrungen, Tipps anderer Longboarder und Empfehlungen der „Spezies“ aus den Longboard-Shops meines Vertrauens.  In Summe denke ich, eine gute Orientierungshilfe. Welche Lager am Ende „dein Favorite“ sind ist dennoch vollkommen dein Ding. Manch einer nimmt nur Bones-Lager, ein anderer schwört auf Seismics und wieder anderen ist die Marke wurscht: Hauptsache, es rollt und passt ins Budget.

Empfehlungen für Einsteiger
Wenn du gelegentlich fährst und auf günstige Preise achtest

  • AMPHETAMINES ABEC 7 SPEED … ca 20 Euro
  • BONES REDS … ca 23 Euro
Amphetamine Kugellager
Amphetamine Abec 7 Speed: ca 20 Euro

Für Anspruchsvollere
(du fährst häufig, willst lange haltbare Lager und optimales Preis-Leistungs-Verhältnis)

  • BUSTIN ABEC 9 SPEED … ca 25 Euro
  • SEISMIC TEKTON ABEC 7 … ca 30 Euro
  • BONES SUPER REDS … ca 37 Euro
Bones Super Reds
Bones Super Reds: prima Kugellager für rund 37 Euro

Für Profis
(is klar: du hast es absolut drauf und bei dir zählt jedes Quäntchen)

  • SECTOR 9 CERAMICS … ca 110 Euro
Sektor 9 Kugellager
Keramik Kugellager von Sektor 9: Preis um die 110 Euro

Kugellager Pflege: Schmieren oder ölen?

Eine gute Schmierung reduziert Reibung (und damit Hitze). Das ergibt mehr Speed und weniger Belastung für das Material – und damit auch weniger Verschleiß. Einige Bearings sind gefettet, andere geölt.

Silikonspray eignet sich wegen seiner Viskosität wenig. Was du auch nicht nehmen solltest, sind Fette & Öle für Fahrradketten und so, die für eher langsam drehende Mechaniken gemacht sind. Für eine dauerhafte Schmierung der Lager sorgen Fette und Öle. Letzteren sagt man höhere Geschwindigkeiten nach, dafür musst du sie öfter pflegen und nachölen, bevor sie rasseln oder quietschen.

Geölte Lager sind etwas widerstandsfähiger, da sie schmutz- und wasserabweisend sind. Du kannst ursprünglich geölte Bearings nachträglich einfetten. Umgekehrt geht das aber nicht! Einmal gefettette Lager solltest du auch künftig immer nur fetten.

Ein Gedanke zu “Kugellager fürs Longboard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s